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Datebank des Dokumentationszentrums
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Die Heiligen Darstellungen
 

Historisch gesehen gilt die Heilige Darstellung als dynamische Vorreiterin der Heiligen Berge. Seit dem Mittelalter gab es zahlreiche volkstümliche Darstellungen in Form von bewegten Theaterszenen mit gesprochenen Texten der Evangelien, darunter vor allem die Darstellungen der Passion Christi.

Die direkte Mitwirkung der Gläubigen am Schauspiel in einer außerhalb der Kirche liegenden Umgebung, die - manchmal ergänzt durch szenografische und vorübergehende Gestaltungen - den Hintergrund der Darstellung bildete, war im Vergleich zur traditionellen Liturgie eine Neuheit, welche die religiöse Botschaft in äußerst wirksamer Weise zu überbringen vermochte. Wie die Anbetung der aus dem Heiligen Land stammenden Reliquien, die lange Zeit hindurch Brauch war, um die Erinnerung an die historischen Ereignisse, in denen das Christentum wurzelt, im Okzident aufrecht zu erhalten, so war die Darstellung dieser Geschehnisse in Form eines Volksschauspiels, bei dem zuerst nur die örtlichen Klosterorden, später aber das gesamte Volk der Gläubigen mitwirkte, ein hoher Moment der geistlichen Lehre, um die Botschaft der Erlösung zu überbringen.

Die in den Kapellen der Heiligen Berge der Alpenkette ab Ende des XV. Jahrhunderts aufgestellten Szenen können auch als Evolution dieser besonderen Form des Volksschauspiels angesehen werden, das sich auf die gesamte Gemeinde ausdehnt.
Im Land Piemont gab es wie in vielen anderen Regionen Italiens zahlreiche Texte, die für diesen Zweck verfasst worden waren, wie die berühmte Passion von Revello, die auf 1400 zurückgeht.
Diese gerieten im Lauf der Jahrhunderte in Vergessenheit und wurden nur in einigen Ausnahmefällen bis zum heutigen Tag als wertvolle Zeugen von Brauchtum und religiöser Kultur überliefert.

In Belvedere Langhe in der Provinz Cuneo wird in der Karwoche die Passion Christi auf der Grundlage antiker, teilweise überarbeiteter Texte aufgeführt. Diese Tradition geht auf das XIII. Jahrhundert zurück, wurde bis zum Jahre 1878 erhalten und war danach jahrelang in Vergessenheit geraten. Heute findet sie in den Straßen und Plätzen des Ortes statt, wo zweihundertfünfzig Personen bei der Darstellung der Szenen mitwirken und die Texte auswendig sprechen, wobei sie von Licht- und Toneffekten begleitet werden.

In der ebenfalls in der Provinz Cuneo gelegenen Stadt Garessio wird in der Karwoche die Heilige Darstellung des Mortorio seit Jahrhunderten von der Bruderschaft Johannes des Täufers und der Barmherzigkeit aufgeführt, um die Grablegung Jesu durch Theaterszenen darzustellen, denen die Parade der Mysterien-Engel vorausschreitet.

Die Passion von Sordevolo in der Provinz Biella ist eine auf 1500 zurückgehende volkstümliche Tradition, die mehrmals in Vergessenheit geriet, dann wieder auflebte und heute ein bedeutendes Schauspiel ist, das alle fünf Jahre Tausenden von Leuten eine großartige dramatische Darstellung bietet, die in einem offenen, in ein kleines Stück des Heiligen Landes verwandelten Amphitheater stattfindet.

Eine der bedeutendsten Veranstaltungen dieser Art findet alle zwei Jahre in Romagnano Sesia in der Provinz Novara statt. Am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag werden auf den Straßen des Ortes Szenen der Passion Christi dargestellt. Die Texte des Evangeliums sind durch Dialoge ergänzt, die vor langer Zeit eigens verfasst und dann der Weiterentwicklung der Umgangssprache angepasst wurden. An den drei Tagen der Darstellung, bei der mehr als dreihundert Schauspieler mitwirken, wird die Reihenfolge der historischen Ereignisse durch die Darstellung von fünfzehn dramatischen Szenen über den Tod Jesu eingehalten, die Judas' Verrat, das Letzte Abendmahl, den Festnahme Jesu, das Urteil des Herodes und des Pilatus, die Geißelung und die Kreuzigung umfassen. Die Darstellung der Wiederauferstehung am Samstag Abend wie auch die nächtliche Prozession am Karfreitag ruft eine große Zahl von Gläubigen herbei, die sich selbst als Mitwirkende fühlen. Diese Heilige Darstellung wird seit der Zeit der Spanischen Herrschaft "Santo Enterro" genannt, denn 1729 wurde sie unter Neuordnung einer noch viel älteren Tradition wieder eingeführt. Sie ist auch hinsichtlich der Geschichte des Brauchtums sehr interessant, da einige Kostüme der Schauspieler noch auf Original-Bekleidungen zurückgehen. Sie sind Zeugnis der Wechselwirkung zwischen diesen Theaterdarstellungen und den grandiosen statischen Szenen in den Kapellen des nahen Heiligen Bergs von Varallo.



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Texte von:
F. Fontana, R. Lodari, P. Sorrenti, Luoghi e vie di pellegrinaggio. I Sacri Monti del Piemonte e della Lombardia, 2004, herausgegeben vom Dokumentationszentrum für Sacri Monti, Kalvarienberge und Europäische Andachtsstätten.

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