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Datebank des Dokumentationszentrums
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Die Andachtsorte des Volkes
 

Die Orte, wo die Heiligen Berge liegen, waren schon lange vor deren Errichtung Stätten der religiösen Verehrung, manchmal sogar heidnischer Riten. Nur im Fall von Varallo war bei der Wahl des Ortes das Projekt der Errichtung eines Neuen Jerusalem im Okzident ausschlaggebend, vor allem wegen der Umgebungsmerkmale der Stätte und da sich die örtliche Gemeinde bereit zeigte, die Kosten zu tragen. Alle anderen sakralen Anlagen wurden dort erbaut, wo schon frühere religiöse Traditionen bestanden.

Die Verehrung Marias ist am weitesten verbreitet und zwar auch an jenen Heiligen Bergen, die einem Heiligen gewidmet sind, wie dem Hl. Franziskus in Orta und der Dreifaltigkeit in Ghiffa. Auf den Heiligen Bergen wird die Muttergottes, heiliges Symbol der ihr geweihten Kirchen, durch verschiedene Ikonographien angebetet, die in der volkstümlichen Tradition stark verwurzelt sind. Dies geschieht auch in den Kirchen, die nicht der Hl. Jungfrau gewidmet sind, wie jene des Heiligen Bergs von Orta, wo das Bildnis der Madonna della Pietà in der Basilika von San Nicolao Gegenstand antiker Verehrung ist.

Die verschiedenen Darstellungsformen der Hl. Jungfrau waren Gegenstand inniger Anbetung vor allem bei der weiblichen Bevölkerung, die es wagen konnte, sich in der Härte des täglichen Lebens mit der Figur einer Frau zu identifizieren, die ebenfalls Leid zu tragen hatte. Außer der Verehrung der in den Himmel aufgestiegenen Muttergottes, die als Königin gekrönt oder in den meisten Wallfahrtskirchen würdevoll mit dunkler Hautfarbe dargestellt wird, konnte der Glaube der Pilger in den Szenen der Kapellen einen starken Antrieb religiöser Barmherzigkeit für eine Frau empfinden, die für die Passion ihres Sohnes leidet, die bange der Verkündigung ihres heiligen Schicksals lauscht oder die, gleich den Frauen des Volkes, ihrer täglichen Arbeit nachgeht.

Alle Marienfeste des liturgischen Jahres werden überall mit großer Teilnahme zelebriert und stellen auch eine symbolische Verbindung zwischen der Wallfahrtskirche und dem Heiligen Berg dar. Manchmal werden die Gottesdienste am Andachtsweg und in einigen Kapellen abgehalten, die wichtigsten finden jedoch in den Kirchen statt und befolgen den liturgischen Kalender. Mariä Himmelfahrt wird in der Maria geweihten Basilika von Varallo besonders festlich begangen, wie auch in Crea und Varese, wo am Vorabend Prozessionszüge im Schein von Kernen und Fackeln stattfinden. In Crea findet dieses Fest seinen Höhepunkt in der Krönung Marias mit der eucharistischen Anbetung in der Kapelle des Paradieses. Dieses Fest ist auch besonders wichtig für die Kirche Unserer Frau von Oropa, wo jedes Jahr die auf 1620 zurückgehende Erste Krönung gefeiert wird, die seit damals in feierlicher Form nur einmal alle hundert Jahre begangen wird. Auch an anderen Heiligen Bergen werden die Kapellen einmal im Jahr für bestimmte Feierlichkeiten geöffnet, wie für die Madonna degli Angeli, das franziskanische Fest der Portiunkula in Orta und Belmonte, oder das Fest der Madonna delle Grazie in Domodossola in der gleichnamigen Kapelle, die auf dem Weg liegt, der durch den Heiligen Berg führt. Mariä Geburt, der die Kirchen der Heiligen Berge von Ossuccio und Belmonte gewidmet sind, ist ein wichtiges Fest, während am Tag von Mariä Verkündigung die gleichnamige Kapelle des Heiligen Bergs von Varallo um Mitternacht den Gläubigen für das Angelus-Gebet geöffnet wird, die sich nach einer eindrucksvollen Prozession im Kerzenlicht dort sammeln.

Auf allen Heiligen Bergen finden Prozessionen als Anlass zur Andacht statt. Außer den traditionellen Kreuzwegprozessionen in der Karwoche sind verschiedene Formen des Ausdrucks lokaler Frömmigkeit überliefert. Einige Prozessionen beginnen bei Kirchen, die außerhalb des Heiligen Bergs liegen, wie in Varallo, wo am Palmsonntag die antike Prozession der Sette Marie (sieben Marien) von der unterhalb gelegenen Collegiata-Kirche ausgeht, oder wie in Crea, wo die Gläubigen jedes Jahr zu Mariä Verkündigung gemeinsam mit der Gemeinde Serralunga eine Prozession veranstalten. Am Heiligen Berg der Dreifaltigkeit hat die vor die Weihnachten stattfindende nächtliche Prozession vor allem auch die wichtige symbolische Bedeutung, alle Pfarren von Ghiffa in einer pastoralen Gemeinde zu vereinen.

Auch heute noch sind alle Heiligen Berge und ihre Wallfahrtskirchen Ziel von Pilgern, die allein oder in Gruppen von der kirchlichen Gemeinde ihrer Diözesen kommen. Zeugnisse für die Beweggründe der Wallfahrten sind die vielen Gelübde, die hier gesammelt sind. In einigen Fällen sind auch sehr alte Traditionen erhalten geblieben, wie zum Beispiel am Heiligen Berg von Varese, zu dem seit 1604 jedes Jahr von Malnate aus gepilgert wird, um dem Ort und dem Jahr zu gedenken, in dem die erste Predigt zur Errichtung des Kapellenweges stattfand. Die antike Pilgerfahrt vom Heiligen Berg in Orta zu jenem von Varallo, die über den See und dann über den Colma-Pass führt, wurde vor einiger Zeit wieder aufgenommen und erfreut sich jedes Jahr großer Teilnahme, wie auch der historische Pilgerzug, der alle fünf Jahre die christliche Gemeinde von Fontainemore im Aostatal auf einem unwegsamen Bergpfad zur Wallfahrtskirche von Oropa führt.



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Texte von:
F. Fontana, R. Lodari, P. Sorrenti, Luoghi e vie di pellegrinaggio. I Sacri Monti del Piemonte e della Lombardia, 2004, herausgegeben vom Dokumentationszentrum für Sacri Monti, Kalvarienberge und Europäische Andachtsstätten.

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